Häuser in den USA sind günstig wie selten
Um teilweise mehr
als 30 Prozent sind die Preise von US-Eigenheimen in den vergangenen
15 Monaten gefallen. Für den einen ist es eine Krise, für den
anderen die Chance. Seit die Preise für Häuser in den USA purzeln,
gehen viele Ausländer dort auf Einkaufstour. Auch wegen der Schwäche
des Dollars sind US-Immobilien billig zu haben.
Für den einen ist
es eine Krise, für den anderen die Chance. Seit die Preise für
Häuser in den USA purzeln, gehen viele Ausländer dort auf
Einkaufstour. Für Eigenheimerwerber böte sich ein hohes
Wertsteigerungspotenzial, sagt Stefan Bolsen, Leiter Immobilien
Florida bei Engel & Völkers, einem führenden Lizenzunternehmen für
Vermittlung hochwertiger Immobilien.
Zusätzlich zu hoher Nachfrage und fallenden
Preisen profitieren Käufer aus der Euro-Zone vom Währungsvorteil.
Ein sinkender Dollar-Kurs bedeutet für sie höhere Kaufkraft in den
USA. Obendrein sinken die Zinsen wieder, und Kredite werden
günstiger. Allerdings sind sie für US-Immobilien zurzeit nicht
leicht zu bekommen.
Bereits im vergangenen Jahr hat Engel &
Völkers sechs neue Maklerbüros in Florida eingerichtet. „In den
nächsten acht bis zehn Jahren sollen bis zu 240 hinzukommen“, sagt
Timo Khammash, Partner von Engel & Völkers in Florida. Er begründet
den Einstieg nicht nur mit der günstigen Gelegenheit. „Der
US-Immobilienmarkt bleibt auf lange Sicht ein Wachstumsmarkt“, sagt
Khammash.
Um teilweise mehr
als 30 Prozent sind die Preise von US-Eigenheimen in den vergangenen
15 Monaten gefallen. In den südlichen US-Bundesstaaten werden
derzeit neue Häuser mit Klimaanlage, Swimmingpool und Doppelgarage
in mittlerer bis guter Lage für 250.000 Dollar angeboten – 20
Prozent günstiger als vor einem Jahr. Umgerechnet sind das zurzeit
etwas mehr als 160.000 Euro. Für die meisten Amerikaner sind diese
Preisforderungen in der gegenwärtigen Krise noch immer ambitioniert.
Europäer hingegen geraten in Schnäppchenjägerstimmung.
Europäer,
Russen und Kanadier stürmen den Markt
In US-Medien
finden sich immer öfter Geschichten wie jene von Jeff Russell. Der
vermögende pensionierte Kanadier wollte sich eigentlich einen neuen
7er BMW bestellen. Doch das ließ er bleiben und kaufte kurz
entschlossen ein Haus an einem Golfplatz in Scotsdale (Arizona).
„Als ich die Preise hier gesehen habe, war mir sofort klar: Vergiss
das Auto, nimmt das Haus“, erzählt Russell.
„Nicht nur
Europäer und Kanadier, sogar Russen sind daran interessiert, ein
Zweitdomizil in den USA zu erwerben“, sagt Pat Combs, Präsident des
US-Maklerverbands National Association of Realtors (NAR). Gerade
erst besuchte eine Gruppe von 115 russischen Maklern San Francisco,
Las Vegas und Florida, um für ihre Kunden in Moskau und St.
Petersburg den Markt zu erkunden. „Russische Unternehmer sind sehr
daran interessiert, einen Teil ihres Vermögens in den USA
anzulegen“, sagt Tatjana Oleynikowa, Managerin der
Maklergesellschaft Dream Realty, die den Trip organisierte.
In der neuen
Apartmentanlage Radiance in Rincon Hill am Rande San Franciscos sind
die ersten zehn verkauften Eigentumswohnungen nur an Ausländer
gegangen, sagt Dennis Serraglio, Marketingleiter des
Projektentwicklers Bosa Development. „Unter den Erwerbern waren
nicht nur Deutsche, Briten und Kanadier, sondern auch Chinesen und
Koreaner.“
Die NAR bietet
inzwischen Fortbildungskurse für ihre Mitglieder an, damit sich
Makler besser auf das Geschäft mit ausländischen Kunden vorbereiten
können. Das größte Hindernis bei vielen Transaktionen sei das
US-Einwanderungsrecht, sagt Kursleiterin Fanny Chu, die für den
Verband Lehrgänge in Kalifornien organisiert: „Ausländer ohne
Arbeits- oder Studentenvisa müssen spätestens alle sechs Monate
einmal aus den USA ausreisen.“ Dies verschrecke viele ältere
Interessenten. Jetzt will die NAR versuchen, diese Bestimmung für
ausländische Rentner zu lockern. Erste Gespräche mit
Senatsabgeordneten verliefen Erfolg versprechend, sagt ein Mitglied
des NAR-Präsidiums. „Die Politiker sind an jeder Möglichkeit
interessiert, den Preisverfall am US-Eigenheimmarkt zu stoppen.“
Deutsche können
problemlos in den USA Grundeigentum erwerben. Eine
Daueraufenthaltserlaubnis wird seit dem Terroranschlag vom 11.
September jedoch selbst Rentnern nur in Ausnahmefällen gewährt.
Wegen der Kreditklemme an den Finanzmärkten gewähren US-Banken
Ausländern in der Regel nur dann eine Finanzierung, wenn sie 50
Prozent des Kaufpreises mit Eigenkapital stemmen können. Auch
deutsche Banken sind bei der Finanzierung von US-Eigenheimen
zurückhaltend.